Aurahokuspokus

Wir schreiben regelmäßig schriftliche Leistungskontrollen, bei denen die vorgegebenen Antwortmöglichkeiten im Einzelfall aber nicht immer so ganz ernst zu nehmen sind – so wie im unten folgenden Beispiel. Da kann ich mir im Klassenraum dann gelegentlich ein Auflachen nicht verkneifen…

“Sie werden als RTW zu einem 80 Jahre alten Patienten  gerufen. Der Patient hat vor zwei Wochen eine TEP (Hüftgelenksprothese) eingesetzt bekommen. Das Hautareal über der Operationsstelle ist jetzt gerötet, angeschwollen und überwärmt. Was könnte die Ursache sein?”

Antwort A) …
Antwort B) …
Antwort C) Es handelt sich das völlig normale Zeichen von unterschiedlichen bioelektrischen Aktionspotenzialen des Körpers und der Prothese, weil sich die elektrischen Felder nach der OP noch nicht angeglichen haben :-)
Antwort D) Eine verzögerte Wärmeabgabe des Knochenzements :-)

“In welches Krankenhaus sollten sie den Patienten transportieren?”

Antwort A) …
Antwort B) …
Antwort C) Ein Transport ist nicht notwendig, die Bioströme werden sich von alleine ausgleichen :-)
Antwort D) …

Hier bleiben eure Krankenkassenbeiträge

Wie bringt man ein gesamtes Notaufnahme-Team zu einem sehr gequälten Aufstöhnen?

Indem man sich als junger Mann ohne relevante Vorerkrankungen am Samstag morgen um 03:00 Uhr (!!!) selbst einliefert mit der folgenden hochakuten Problematik: “Gestern in einem nicht klimatisierten Raum kurzzeitig kollabiert; danach Schwächegefühl; aktuell keine Beschwerden mehr.”

Aktuell keine Beschwerden: Geil! Nur gut, das sofort ausreichend ärztliches und pflegerisches Personal zur Bearbeitung dieses Notfalls bereit stand ;-)

Schutzengel

Ein junger Mann kommt in Begleitung seines Vaters in die Notaufnahme gelaufen: “Hallo, ich hatte vorgestern einen kleinen Verkehrsunfall, bin mit Tempo 120 auf der Autobahn seitlich in die Leitplanke gerauscht. Ich war zwar nicht angeschnallt – aber weil der Airbag mich aufgefangen hat, dachte ich eigentlich, es wäre mir gar nichts passiert. Deshalb habe ich auch vor Ort eine ärztliche Behandlung abgelehnt. Jetzt tut mir aber doch ein bisschen der Hals weh. Könnten Sie mich vielleicht kurz mal durchchecken?”

Falsch verbunden

Im Schockraum meines Praktikumskrankenhauses gibt es das “Rote Telefon”, das nur einen Zweck hat: Hier rufen die Rettungsleitstellen an, um schwer verletzte oder erkrankte Patienten voranzumelden. Wenn das Telefon klingelt, geht also gleich bei allen ein bisschen der Puls hoch und man lauscht gespannt, welches Polytrauma da wohl gleich vom Hubschrauber antransportiert wird.

Irgendein Trollo vom Rettungsdienst hat sich diese Nummer zwar aufmerksam eingeprägt, aber fälschlicherweise als allgemeine Rufnummer der Notaufnahme. Und unter dieser Annahme gibt er die Nummer dann freundlicherweise an Angehörige von Patienten heraus.

So klingelt dann und wann das Rote Telefon, alles schreckt auf und dran ist dann doch nur Oma Huber: “Hallo, wie geht es denn meinem Erwin, der ist seit heute morgen bei Ihnen. Soll ich dem seine Zahnbürste vorbei bringen?”

Noch Fragen?

Super Beispiel für eine verbesserungswürdige Patientenübergabe: Ein RTW liefert eine Patientin in der Notaufnahme an. Die RTW’ler legen die ältere Dame schnell auf eine am Eingang bereitstehende Trage und geben ihr Einsatzprotokoll am Triage-Arbeitsplatz ab. Der dort arbeitetenden Pflegerin, die aber nur für die Zuordnung der Behandlungskategorie zuständig ist (von rot=”dringend” bis grün=”kann warten”), raunen sie noch schnell was von “Apoplex, nicht im Zeitfenster” zu. Schwupps, weg waren sie wieder.

Die für die Untersuchung und Behandlung zuständigen Pflegekräfte wollten dann natürlich schon etwas genauer wissen, was denn eigentlich genau passiert ist: Zeitlicher Hergang, festgestellte Symptome, Patientenvorgeschichte, sonstige Zusatzinfos. Und immer ganz wichtig beim Verdacht auf Schlaganfall: Wann ist es passiert? Kann man noch medikamentös mit einer Lyse eingreifen oder ist es dafür schon zu spät? Der Blick in das abgegebene Protokoll offenbarte aber gähnende Leere: In dem wirklich großen Freitextfeld für die Notfallbeschreibung hatte die RTW-Crew nur ein einziges Wort eingetragen: “Apoplex”. Nicht mal als V.a. (Verdacht auf), sondern gleich als fertige Diagnose. Was, wann, wo? Pustekuchen. “Apoplex”. Ein sogenannter Ein-Wort-Notfall ;-)

Die Retter waren schon wieder weg und die Patientin war dank eine globalen Aphasie auch nicht besonders auskunftsfreudig, so dass am Ende eine Anamnese praktisch nicht möglich war. Erst als sich längere Zeit später die Tochter der Dame im Krankenhaus meldete, kam Licht ins Dunkel, weil die Tochter nämlich ursprünglich ihre Mutter gefunden und dann den Rettungsdienst alarmiert hatte.

Über die Faulheit de luxe der RTW’ler muss ich immer noch den Kopf schütteln. “Hier, nen Apo, wir müssen wieder, tschüss!”

Is dit echt so schlimm?

Das muss man der Notaufnahme lassen: Von allen Praktikumsstationen ist sie die unterhaltsamste, was das Publikum betrifft.

Beispielsweise der Mann aus dem Umland, der bereits am Samstag (!) seinen Grill mit Benzin angefeuert hatte. Nach dem ersten Spritzer Sprit war ihm die Flamme noch nicht groß genug, nach dem zweiten Spritzer auch noch nicht, und nach dem dritten – ist ja klar – kawumm, Feuerball, zweitgradige Verbrennungen an Armen und Gesicht, insgesamt ca. 10% verbrannte Körperoberfläche.

Wie sich das für den typischen Notaufnahmepatienten vom Lande gehört, hat er sich dann übers Wochenende erst mal nur zu Hause hingesetzt und dachte, das bisschen verbrannte Haut fällt schon von selbst ab. Das geht bestimmt von alleine weg! Halb so wild, wie beim Sonnenbrand.

Heute am Montag  hat er sich dann doch in einem Provinzkrankenhaus vorgestellt und die haben ihn dann gleich per RTW zu uns weitergeschickt, interessanterweise übrigens völlig unversorgt ohne Verband oder sonstwas.

Empörter Kommentar des überraschten Patienten, der nicht mit seiner stationären Aufnahme gerechnet hatte: “Ich nehm doch immer Sprit – wer konnte das auch ahnen!” :-)

Allet klar

Schwester: Wollen sie einen Tee?

Patient: Ja, aber bloß keinen gelben oder roten.

Schwester: Was meinen sie mit gelb? Etwa Kräutertee?

Patient: Ja!

Schwester: Und sie hätten jetzt gerne einen Kräutertee?

Patient: Ja, bitte!

Schwester: Gut, ich bringe ihnen einen.

?!